Es muss gerecht für alle sein

CVJM und Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh unterbreiten Konzept zur Einsparung in der Jugendarbeit
Gütersloh. Im Zuge der Haushaltseinsparungen will die Stadt Gütersloh den örtlichen Jugendverbänden sämtliche Zuschüsse für das Jahr 2010 streichen. Diese Nachricht schockierte im Dezember 2009 auch den CVJM Gütersloh. Jetzt legt der Verein Politikern und Stadtverwaltung ein eigenes Sparkonzept vor. Darin erklären auch die jungen Ehrenamtlichen der evangelischen Jugendarbeit ihre Bereitschaft, der Stadt beim Sparen zu helfen.
Jugendpfarrer Hans-Jörg Rosenstock kritisiert vor allem die Ungleichbehandlung mit anderen Bereichen, wie Sport oder Kultur, in denen nur 20 Prozent gespart werden soll. Für die 170 ehrenamtlichen Mitarbeitenden in der evangelischen Jugendarbeit sei dies eine Abwertung ihres Engagements. „Natürlich wissen wir, dass die Stadt sparen muss“, erklärt Michael Neufang, erster Vorsitzender des CVJM. Aber: „Konkrete Einsparungen sind möglich, auch ohne dass das Ehrenamt gefährdet wird“, so Florian Karcher. Der Jugendreferent bei CVJM und Kirche ist einer der Autoren des Positionspapiers.
Bei einer Streichung sämtlicher Mittel fielen nicht nur Betriebs- und Materialkostenzuschüsse weg, sondern auch Pauschalen für Ehrenamtliche, Zuschüsse zu Aus- und Fortbildungsmaßnahmen sowie Ferienfreizeiten. Dabei seien die Jugendverbände schon zahlreiche Verbindlichkeiten eingegangen und hätten die Preise für Schulungen und Freizeiten kalkuliert. Zumindest für das Jahr 2010 müssten die Kürzungen ausgesetzt werden, so CVJM und Kirche. Die vom Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) geforderte langfristige Planungssicherheit für Träger der Jugendhilfe sei so „absolut nicht gegeben“.
Ab 2011 seien verträgliche Kürzungen möglich. Die Vertreter der evangelischen Jugendarbeit schlagen vor, Zuschüsse für Betriebskosten um 50 Prozent zu kürzen und Materialkosten zu limitieren. Außerdem könnten Mitarbeitendenpauschale sowie Freizeitzuschüsse um jeweils 20 Prozent gekürzt werden.
Auch die ehrenamtlich Mitarbeitenden des CVJM wollen beim Sparen helfen. Wer von ihnen eine Jugendleiterkarte hat, erhielt bisher von der Stadt jährlich 50 Euro Aufwandsentschädigung. Das Konzept des CVJM sieht hier eine Kürzung um 20 Prozent vor. Im Gegenzug dürften keine Kürzungen bei der Aus- und Fortbildung der Ehrenamtlichen vorgenommen werden. „Wir helfen gerne beim Sparen – aber es muss für alle gerecht sein“, erklärte Rebecca Wilson, seit vielen Jahren ehrenamtlich im CVJM aktiv.
CVJM und Kirchengemeinde fordern die Beteiligung der Jugendverbände bei der Ausarbeitung der Sparmaßnahmen. Hierzu schlagen sie vor, in der ersten Jahreshälfte gemeinsam mit der Stadtverwaltung einen Workshop durchzuführen. Wenn bis Sommer 2010 der Kurs für 2011 fest stehe, sei eine langfristige Planung möglich.
„In Gütersloher Jugendverbänden sind hunderte junge Menschen ehrenamtlich aktiv, die Angebote erreichen weit über tausend Kinder und Jugendliche“, so Florian Karcher. Diese Arbeit sei „eine Investition in die Zukunft, auch dieser Stadt.“
Florian Karcher/kj