Archäologie im Land der Bibel

Kirchenrat Gerhard Duncker, Pfarrer Dietrich Fricke, Dr. Jutta Häser und Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Dieter Vieweger (v.l.). Foto: Kerstin Jacobsen
04.02.10

Rund 130 Teilnehmende beim Studientag im Bibeldorf Rietberg

Rietberg. Was macht eigentlich ein Archäologe? Viele denken da an Indiana Jones’ aufregende Kinoabenteuer auf der Jagd nach der Bundeslade. Völlig falsch, weiß Professor Dieter Vieweger. Der Pfarrer, Dozent und Archäologe mit mehrfachem Doktortitel war Hauptreferent eines Studientags zur Archäologie im Land der Bibel, zu dem am vergangenen Samstag rund 130 Interessierte im Bibeldorf Rietberg zusammenkamen.

 

„Archäologie ist eigentlich eine langweilige Tätigkeit.“ Gleich zu Beginn seines Vortrags „Biblische Geschichte und Archäologie“ räumte Vieweger mit jeglicher Abenteuerromantik auf. „Auch den Glauben an Gott können wir weder beweisen noch widerlegen.“ Aber: „Wir können zeigen, wie die Menschen damals gelebt haben. So wird Geschichte und so werden die Geschichten der Bibel besser verständlich.“

 

Dieter Vieweger ist unter anderem Direktor des Direktor des Biblisch-Archäologischen Instituts Wuppertal und des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes in Jerusalem und Amman DEI). Er schilderte die 2001 begonnenen Ausgrabungen auf dem Siedlungshügel Tall Zira'a im Dreiländereck Jordanien, Syrien und Israel. Dank eigener Wasserquelle und der Lage an einer Handelsstraße bot der Tall günstige Lebensbedingungen und war 5000 Jahre lang von der frühen Bronzezeit bis ins späte 19. Jahrhundert kontinuierlich besiedelt. „Auf 5,6 Hektar liegen 5000 Jahre Kulturgeschichte verborgen – hier können wir noch hundert Jahre weiter graben!“

 

Seinen – entgegen der Ansage - spannenden Bericht veranschaulichte Vieweger mit eindruckvollen Fotos, Zeichnungen und Computeranimationen. So erfuhren die Zuhörer etwa, warum Handwerkerbetriebe immer im Nordwesten lagen (die Aufwinde fachten die Öfen an), wie ein typisches Vier-Raum-Haus der Eisenzeit aussah und dass die frühen Israeliten an ebenso viele Götter glaubten wie die Nachbarvölker.

 

Nach einem einfachen Mittagessen ging es in zwei Gruppen weiter. Vieweger erläuterte, wie altorientalische Feste bis heute das Kirchenjahr prägen. Um den Alltag in einer römisch-byzantinischen Stadt ging es bei Dr. Jutta Häser, Leiterin des DEI in Amman. Gemeinsam mit Vieweger leitet sie die Ausgrabungen auf dem Tall Zira'a. Den Abschluss bildete ein Vortag Viewegers über die Erforschung Jerusalems zur Zeit Jesu.

 

Die Evangelische Kirchengemeinde Rietberg den Studientag kostenlos anbieten, da die Evangelischen Kirche von Westfalen und der Jerusalemverein die Veranstaltung unterstützten. Kirchenrat Gerhard Duncker überbrachte herzliche Grüße der Kirchenleitung. Er freute sich besonders darüber, „dass hier so viele Menschen aus verschiedenen Generationen zusammenarbeiten.“

kj