Bildungslandschaft ändert sich

Superintendent Walter Hempelmann (Halle), Christian Jung, Fachbereichsleiter Bildung, Jugend und Soziales Kreis Gütersloh, Dechant Peter Lenfers (Warendorf), Superintendent Christian Heine-Göttelmann (Gütersloh), Dechant Josef Dieste (Halle), Dechant Wilhelm Wigger (Harsewinkel) und Landrat Sven-Georg Adenauer (von links). Foto: Kerstin Jacobsen
14.07.10

Vertreter der Evangelischen und katholischen Kirche tauschen sich mit dem Landrat aus

Kreis Gütersloh. Die Bereiche Kinder und Jugend sowie Bildung und gesellschaftliche Teilhabe im Kreis Gütersloh nahmen in der Diskussion von Vertretern der evangelischen wie katholischen Kirche und des Kreises Gütersloh breiten Raum ein. Auf Einladung von Landrat Sven-Georg Adenauer trafen sie sich am vergangenen Freitag im Kreishaus Gütersloh.

 

Seit zwei Jahren gebe es ein mit zwei vollen Stellen besetztes Bildungsbüro, informierte Christian Jung. „Unser Problem ist nur: Wie transportieren wir die wesentlichen Inhalte in die Schule?“, so der Fachbereichsleiter des Kreises Gütersloh für Bildung, Jugend und Soziales. Bildung sei auch in der evangelischen Kirche ein brennendes Thema, betonte Walter Hempelmann, Superintendent des Kirchenkreises Halle. Sein Gütersloher Kollege Christian Heine-Göttelmann regte an, in Sachen Bildung gemeinsame Netzwerke zu bilden. Die Idee stieß beim Landrat auf offene Ohren.

 

Finanzielle Sorgen bereitete den Kreisvertretern der Trend von der Förderschule hin zur Regelschule. „Kinder, die statt der Förderschule eine Regelschule besuchen, haben oft Anspruch auf einen Integrationshelfer, die der Kreis bezahlen muss“, machte Jung das Dilemma deutlich. Schon jetzt gebe es 90 dieser Helfer. Auch das von der neuen Düsseldorfer Koalition geplante gemeinsame Lernen der Schulkinder bis zur 6. Klasse werde „zu einer deutlichen Änderung des Schulsystems führen.“ Trotz allen Verständnisses plädierte Hempelmann klar für die Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen: „Es ist richtig, sie in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Wir als Kirche wollen das.“ Und Dechant Wilhelm Wigger (Harsewinkel) ergänzte: „Integration führt zu Normalität, die nur zu begrüßen ist.“

 

Ein weiteres Thema war die Entstehung eines neuen Jugendamtes in der Region. „Rheda-Wiedenbrück wird 2012 ein Jugendamt einrichten“, informierte Landrat Adenauer. „Für die Kinder und Jugendlichen ist das kein Drama“, meinte Jung. Denn mehr Jugendämter bedeuteten mehr Fachpersonal und somit mehr Betreuung. Ein Problem seien die fachlichen Standards kleiner Jugendämter. „Wir begrüßen das nicht“, so der Standpunkt von Heine-Göttelmann. „Es ist schon jetzt schwierig, mit mehreren Jugendämtern gleichzeitig zu verhandeln“, so der Gütersloher Superintendent. Denn der Kirchenkreis Gütersloh deckt sich nicht mit dem Kommunalkreis - auch Gemeinden in Bielefeld und des Kreises Warendorf gehören dazu.

 

Das neue Kinderbildungsgesetz sahen alle Gesprächspartner kritisch. „Obwohl es sich Bildungsgesetz nennt“, sagte Heine-Göttelmann, „bleibt weniger Zeit für Kinder und Eltern.“ „Von optimaler Kinderbildung sind wir weit entfernt“, stimmte Jung zu. Trotz vieler Mängel sei jedoch nicht zu erwarten, dass das Gesetz wieder abgeschafft werde.

 

„Die Schere zwischen Reichen und Armen klafft immer weiter auseinander“, stellte Hempelmann fest. „Darüber müssen wir reden!“ Mit ihren traditionellen Angeboten erreichten die Kirchen die klassische Mittelschicht und kaum noch von Armut bedrohte Menschen, so die Erfahrung beider Konfessionen. Heine-Göttelmann: „Früher gingen die Frauen der Evangelischen Frauenhilfe in die Nachbarschaft und leisteten selbstverständlich Familienhilfe. Das gibt es nicht mehr.“

kj