Aufregung ums Schnitkerhaus

Mit Plakaten forderten viele Demonstranten den Erhalt des Schnitkerhauses. foto: Kerstin Jacobsen
29.07.10

Demonstration gegen geplante Schließung – Presbyteriumsbeschluss ausgesetzt

Rheda-Wiedenbrück. An einer Demonstration zum Erhalt des Schnitkerhauses auf dem Rathausplatz in Rheda nahmen am Mittwoch, 28. Juli, an die 400 Kinder, Jugendliche und Erwachsene teil. Sie wurde von den ehrenamtlichen Mitarbeitenden des Hauses organisiert. Für sie gab Inga Recker ihrer Hoffnung Ausdruck, „dass das Presbyterium seine Entscheidung noch mal überdenkt.“

 

In einer Pressemitteilung hatte das Leitungsgremium der Evangelischen Versöhnungs-Kirchengemeinde Rheda-Wiedenbrück nach seiner letzten Sitzung am 8. Juli mitgeteilt, die offene Jugendarbeit im Schnitkerhaus beenden und das Haus schließen zu wollen. Zugleich solle die gemeindliche Jugendarbeit gestärkt werden. Investitionskosten im sechsstelligen Bereich würden die Versöhnungs-Kirchengemeinde angesichts der angespannten Haushaltslage an den Rand des finanziellen Ruins bringen, so der Presbyteriumsvorsitzende Marco Beuermann. Nur eine Woche später musste der entsprechende Presbyteriumsbeschluss nach Rücksprache mit dem Landeskirchenamt ausgesetzt werden. Denn laut Artikel 76 der Kirchenordnung müssen Mitarbeitende in allen wichtigen Fragen, die ihren Arbeitsbereich betreffen vom Presbyterium gehört werden – dies hatte man versäumt.

 

In den letzten Wochen brach ein Sturm der Entrüstung über die Presbyterinnen und Presbytern herein. In Leserbriefen an die Tageszeitungen und persönlichen Anfeindungen machten etliche Zeitgenossen Wut und Enttäuschung Luft. „Ich kann den Ärger vieler Jugendlicher und Erwachsenen über die geplante Schließung gut verstehen“, so Beuermann. Dass die Mitglieder des Kirchenvorstands aber massiv angeklagt und beschimpft würden, hätten diese Ehrenamtlichen nicht verdient. Beuermann: „Der Beschluss zur Schließung des Schnitkerhauses war gewiss kein ‚Schnellschuss’.“ Vielmehr sei ein langer Entscheidungsprozess voraus gegangen.

 

 Zu der von ehrenamtlichen Mitarbeitenden des Schnitkerhauses organisierten Demonstration kam Beuermann ebenso wie einige Mitglieder des Presbyteriums. Aufmerksam lauschten sie den Worten von Bürgermeister Theo Mettenborg. Der hob die Bedeutung des Schnitkerhauses für die Stadt hervor und warb dafür, gemeinsam neue Wege zum Erhalt des Hauses zu gehen. „Wir sind im Gespräch und werden auch weiter Gespräche suchen“, sagte er unter Applaus der Anwesenden.

 

Noch manch anderer trat an diesem Nachmittag ans Mikrofon, um eine Fortsetzung der Arbeit im Schnitkerhaus zu fordern. Am 15. September wird das Presbyterium der Versöhnungs-Kirchengemeinde das nächste Mal tagen. Ob der eine oder die andere, die sich jetzt lautstark zu Wort meldete, bis dahin mit Ideen aufwartet, wie das Schnitkerhaus tatsächlich zu retten sein könnte?

kj