Wie Freunde aufgenommen

Gegen Ende der Reise trafen die deutschen Gäste das Partnerschaftskomitee von Kyerwa und Murongo. Foto: Privat.
30.07.10

Jubiläumsfeiern: Besuch der Partnerkirchenkreise Kyerwa und Murongo in Tansania

30 Jahre Kirchenkreis-Partnerschaft mit Tansania, 31 Jahre Selbständigkeit der Karagwe-Diözese und 100 Jahre Evangelisation des Nordwestens Tansanias – all das haben die Bielefelderin Gisela Niedergassel und die Gütersloherin Karin Gosejohann vor Ort mitgefeiert. Als Abgeordnete des Kirchenkreises Gütersloh reisten sie zwei Wochen lang durch die beiden tansanischen Kirchenkreise Kyerwa und Murongo. Sie besuchten Gemeinden, Familien sowie Projekte, feierten das Partnerschaftsjubiläum und vertraten den Kirchenkreis Gütersloh bei der 100-Jahres-Feier in Nyakahanga.

 

„Uns war vorher gar nicht bewusst, dass wir so viele offizielle Termine haben würden“, erzählt Gisela Niedergassel. „Andauernd wurden Grundsteine gelegt und Kirchen oder Schulen eröffnet.“ Das Fest zum 100-jährigen Jubiläum in Nyakahanga erlebten die beiden Frauen als fröhliche Feier mit „neun Bischöfen, etwa 60 Pfarrern, 10 Chören und rund 2500 Gästen.“ Die Veranstalter hätten sich sehr über die Grüße und das Gastgeschenk aus Deutschland gefreut. Die Deutschen überreichten ein Altartuch für die Diözese und Paramente für die Gemeinden in Kyerwa und Murongo.

 

Um möglichst viele Menschen zu treffen und Projekte kennen zu lernen, absolvierten die Frauen ein strammes Besuchsprogramm. Dazu gehörte auch die Nyakatera Dispensary. Die kleine Krankenstation in Murongo wird seit langem von den Gütersloher Partnern unterstützt. „Es gibt keinen Strom und fast keine Medikamente, das einzige Mikroskop ist defekt“, erzählt Gisela Niedergassel. „Alle drei Monate kommt für einen Tag ein Arzt, das nächste Krankenhaus ist 100 Kilometer entfernt.“ Die Mitarbeitenden haben für sich selbst ein Wohnhaus gebaut, auch ein Ärztehaus ist in Bau. Das noch fehlende Dach wollen die deutschen Partner finanzieren. „Eine Solaranlage wird auch dringend gebraucht“, sagt Karin Gosejohann, „damit es endlich Strom gibt.“

 

Auf ihrer Fahrt begleitet wurden Gisela Niedergassel und Karin Gosejohann von Obadijah Mukuta, dem ehemaligen Leiter des Jugendzentrum Nkwenda in Kyerwa. Dieses Projekt, das jungen Menschen eine Ausbildung als Maurer, Tischler oder Näherin bietet, wird von den Deutschen seit der Grundsteinlegung 1988 gefördert. „Ich bin begeistert, wie es sich weiter entwickelt hat“, berichtet Gisela Niedergassel. Sie ist beeindruckt von den neuen Gebäuden wie Schul- und Mitarbeiterhaus. In der Kirche von Nkwenda präsentierte ein ehemaliger Schüler des Ausbildungszentrums den Gästen voller Stolz Sitzbänke, die er für das Gotteshaus geschreinert hat. Er arbeitet heute als selbständiger Tischler. Eine der jungen Näherinnen fertigte afrikanische Gewänder für die zwei deutschen Glaubensschwestern.

 

Es sind die herzlichen Begegnungen, welche die deutschen Gäste nicht vergessen werden: Der festliche Partnerschafts-Gottesdienst in der Rwabwele-Kirche, zu dem die Gemeindefrauen sie mit einer Partnerschafts-Torte überraschten. Das Treffen mit Apolo Ntimba, der als Superintendent von Kyerwa vor 30 Jahren mit Pfarrer Dr. Rainer Albrecht die Partnerschaft ins Leben rief. Die Zusammenkunft mit dem Partnerschaftskomitee und viele andere Begegnungen mehr. Allerorts seien sie freigiebig bewirtet und mit Geschenken geradezu überschüttet worden.

 

Bei aller Begeisterung bleibt auch Nachdenklichkeit. Die Frauen haben viele halbfertige Gebäude gesehen, die langsam verrotten. Und etliche Kinder, die mit Plastikkanistern Wasser für ihre Familien holen. „Arm sind die meisten Menschen in Tansania“, sagt Gisela Niedergassel. „Aber das größte Problem ist doch die Wasserversorgung.“

 

Insgesamt haben sie auf meist staubigen Sandpisten über 2000 Kilometer im Geländewagen zurückgelegt. „Überall sind wir wie Freunde aufgenommen worden“, resümiert Gisela Niedergassel. Und Karin Gosejohann ergänzt: „Dieser respektvolle, liebevolle Umgang miteinander - so etwas habe ich noch nie erlebt!“

 

Spenden für die Partner in Tansania sind willkommen: Konto 200 111 8032 bei der Bank für Kirche und Diakonie, BLZ 350 601 90, Kennwort „Tansania“.

Mehr Infos unter www.karagwe.de.

 

Zum Hintergrund der Reise

 

Gisela Niedergassel und Karin Gosejohann gehören zur Evangelischen Kirchengemeinde Isselhorst. Mit den Isselhorster Landfrauen engagieren sie sich schon lange für das Ausbildungszentrum Nkwenda. Gisela Niedergassel war bereits zum dritten Mal in Tansania. Sie arbeitet seit 1984 im kreiskirchlichen Tansania-Arbeitskreis (TAK) mit, der die Kirchenkreis-Partnerschaft koordiniert. „Als im Februar die Einladung zur Jubiläumsfeier kam, war klar: Da muss jemand von uns hinfahren!“ Doch außer Gisela Niedergassel hatte kein Mitglied des TAK Zeit. Sie brauchte ihre Freundin Karin Gosejohann nicht lange zu überreden, mitzukommen. Für diese war es die erste Reise in das afrikanische Land. Jetzt macht sie auch mit beim TAK. „Nachdem ich die Projekte und Menschen vor Ort persönlich kennen gelernt habe, ist mit das wichtig“, betont Karin Gosejohann.